· Lehrerzimmer ·
Seitenanfang2. Das Philanthropin und andere pädagogische Aktivitäten in Anhalt-Dessau

Eine Vielfalt pädgogischer Initiativen und Einrichtungen sollten in Anhalt-Dessau die Modernisierung der Gesellschaft vorantreiben. Besonders innovativ war das Philanthropin.1 Es wurde am 27. Dezember 1774 eröffnet. Des Fürsten Erbprinz gehörte zu den ersten drei Schülern. Ihre Zahl stieg nur langsam, noch 1776 waren es lediglich 29. Der Höchststand wurde 1782/83 mit 53 Philanthropisten erreicht. Aus dem ganzen Reich kamen die Kinder aufgeklärter Eltern, einige kamen sogar aus West-, Nord- und Osteuropa. Der bürgerliche Gesamtanteil machte während des Bestehens etwa zwei Drittel der Gesamtbelegschaft aus. Erst nach 1785 war die Schule fast eine reine Adelsschule.
Die Schulgründung erregte in ganz Europa großes Aufsehen. Zeitweilig musste ein Lehrer nur für Führungen bereitgestellt werden, da diese Einrichtung als Musterschule (vergleichbar mit heutigen Modell- oder Laborschulen) verstanden wurde. Die Reaktionen waren zwar durchaus kontrovers, doch überwiegend anerkennend. Für Immanuel Kant ging vom Philanthropin eine Revolution des Erziehungswesens und sogar eine „Reform des bürgerlichen Wesens” aus, während Johann Gottfried Herder bemerkte, dass er Basedow „keine Kälber zu erziehen geben würde, geschweige den Menschen.”2

Die fachlichen Schwerpunkte des Unterrichtes am Philanthropin lagen einerseits auf Fächern, die lebenspraktisch orientiert waren wie moderne Sprachen und Naturwissenschaften, andererseits auf Fächern, die körperliche Tätigkeiten umfassten, wie Sport (Gymnastik) und handwerkliche Arbeiten, die zum ersten Mal in der deutschen Bildungsgeschichte als Unterrichtsfächer eine tragende Rolle spielten. Eingeordnet in die Idee der Körperertüchtigung des Philanthropins waren auch die Drehbergfeste, die seit 1776 und in den darauf folgenden Jahren jeweils am 24. September, dem Geburtstag der Fürstin Luise, ihren Höhepunkt fanden. Latein wurde auch gelehrt, da es die Sprache an den Universitäten war.
Großen Wert legten die Philanthropen auf den Einsatz von Bildern im Unterricht. Sie waren nicht mehr schmückendes Beiwerk zu einzelnen Texten, sondern eigenständiger Teil des Lernprogramms. Basedow gewann den bedeutendsten deutschen Grafiker seiner Zeit, Daniel Chodowiecki, um ein Schulbuch anzufertigen. Chodowiecki entwarf und radierte eine große Zahl von Bildtafeln und überwachte die Arbeit weiterer Kupferstecher. Basedow und Wolke gaben Themen und teilweise auch Motive vor. Das so entstandene „Elementarwerk” wurde ein großer Erfolg und zum Vorbild illustrierter pädagogischer Literatur.3

Der Zugang zum Philanthropin war weder an eine Konfession noch an einen Stand gebunden, jedoch wurden nur Jungen aufgenommen. Äußerlich wurde die Gleichheit der Schüler durch einheitliche Kleidung und Kurzhaarfrisur sichtbar.

Neben Problemen, die von außen herrührten, kamen bald auch innere Spannungen. Zu unterschiedlich waren die Konzepte der einzelnen Lehrkräfte, die unterschiedlichen philanthropischen Ansichten nahe standen. Hinzu kamen Finanzierungs- und Organisationsprobleme. Ein Jahr nach dem großen öffentlichen Examen von 10 Schülern im Mai 1776, also kaum 1½ Jahre nach der Gründung, kam es zum Bruch unter der Lehrerschaft. Lehrer verließen die Schule, die trotzdem bis 1793 weiterbestand.4
Das inhaltliche Konzept des Dessauer Philanthropins wurde Grundlage einer Vielzahl ähnlicher Einrichtungen. Mehr als 60 Schulen der „Menschenfreunde” wurden in Deutschland gegründet, weitere in Frankreich, der Schweiz , Russland und Nordamerika. Viele bedeutende Pädagogen haben in Dessau gewirkt: Wolke, Campe, Trapp (erster Lehrstuhl der Pädagogik an einer Universität), Salzmann, der selbst eine sehr bedeutende Anstalt in Schnepfenthal einrichtete.

Mit der Rückberufung Carl Gottfried Neuendorf begann in Anhalt-Dessau die eigentliche philanthropistische Schulreform im Großen und die erste im Sinne der Aufklärung durchgeführte Landschulreform. „Die Neuendorfsche Schulreform schuf einerseits die Hauptschule als zur Universitätsreife führenden, im Gegensatz zum Philanthropin straff organisierten höchsten Schulkörper des Landes; sie erreichte auf der andern Seite auch die kleinsten Landschulen und schloß die jüdischen Konfessionsschulen mit ein. Der fürstliche Baumeister Erdmannsdorff verschmähte es keineswegs, neben den Schloßbauten zu Wörlitz, Luisium und Georgium auch Schulen für Landgemeinden zu bauen, wie sie uns in Griesen und in Riesigk erhalten sind.”5 Durch diese Reform wurde es möglich, die Kinder an Bildungsmöglichkeiten heranzuführen. Jedem stand der Besuch der Hauptschule offen, für ärmere Schüler war er unentgeltlich. So wurde es auch bei den untersten Volksmassen möglich, Vorurteile und Aberglauben abzubauen.

Ganz im Geiste der Aufklärung wurde in Anhalt-Dessau großer Wert auf die Bildung und Information des Volkes gelegt. Die Herausgabe kostenloser Nachrichtenblätter, die über die Vorgänge in seinem Land informierten, spielten eine große Rolle. Außerdem bemühte der Fürst sich um die Unterstützung junger Künstler und um die Verbreitung ihrer Ideen und Werke. Zu diesem Zweck wurden die „Chalkographische Gesellschaft” und die „Allgemeine Buchhandlung der Gelehrten und Künstler” gegründet.
Die Bemühungen um angewandte Aufklärung zeigt sich auch in dem Bestreben, Toleranz zu üben. Schill konnte den Aufruf an die Deutschen nicht zufällig in Dessau drucken. In diese Reihe gehört auch der Schutz, den der Fürst Autoren der „Buchhandlung der Gelehrten” angedeihen ließ, so daß diese ihre liberalen Ideen verbreiten konnten.
Christen und Juden lebten in Anhalt-Dessau friedlich nebeneinander. Der jüdischen Schule gab der Fürst seinen eigenen Namen, an zwei markanten Stellen in Wörlitz ließ er israelitische Gebäude errichten und Lessingschem Gedankengut durch völlig gleichberechtigte Blickachsen auf Kirche und Synagoge einmaligen Ausdruck verleihen.


1 Weit verbreitet ist auch „Philantropin”. Die von den Autoren verwendete Schreibweise richtet sich nach dem Duden. zum Text
2 Vgl. ebenda, S. 239 zum Text
3 Danelzik-Brüggemann, Christoph: Mit Bildern lernen. Die Dessauer Philantropen und die Entstehung des illustrierten Schulbuches. In: mittendrin Sachsen-Anhalt in der Geschichte. Katalog zur Ausstellung. Dessau 1998, S. 271 ff. zum Text
4 Vgl. Eberspächter, Martina/ Pollak, Anne: „Angewandte” Aufklärung im Fürstenstaat. In: mittendrin. Sachsen-Anhalt in der Geschichte. Katalog zur Ausstellung. Dessau 1998, S. 239 f. zum Text
5 Hirsch, Erhard: Dessau-Wörlitz. Aufklärung und Frühklassizismus, Leipzig 1985, S. 96 zum Text



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