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Seitenanfang4. Der Dessau-Wörlitzer Kulturkreis aus der Sicht einer Frau

Nachdruck von:

CHRISTIAN EGER:
„LIEBESLEID IM PARK”
(MITTELDEUTSCHE ZEITUNG VOM 2.10.1998, BL V)

Immer hatte es Luise von Anhalt-Dessau schwer: seit 1767 als Gattin des Fürsten Franz, der ihr in Berlin verordnet wurde, heute als Schattenfrau des Gartenreiches, in dem sie als Klageweib umgeht.

Die Fürstin tritt auf: blaßhäutig, helle Stirn, markante Nase. Keine Frau in den besten Jahren ist sie, weil es „beste Jahre” für Luise sehr selten gab. Egal, wo sie auftaucht: Luise, Fürstin von Anhalt-Dessau, geborene Markgräfin von Brandenburg-Schwedt, stellt her, worunter sie leidet: ein nervöses Sozialklima. Sie ist 49 Jahre alt, als sie im April 1799 im Tagebuch notiert: „Als ich frühe zu Luisium im Garten einsam umherwanderte, umfing mich süßer die Wehmut, lispelte mir aber doch Empfindungen zu, die in Worte etwa lauteten wie ich sie sogleich aufschrieb: für mich ist die Freude am Menschen und die Wonne Mensch zu seyn meistens dahin und kehret nie wieder, so wie jeder Frühling wiederkehrt.” Hier also spricht Luise: eine „schöne Seele”, die Empfindungen aus Naturbildern saugt; ein schwärmerischer Kopf, der vor einer Überdosis Pathos nicht zurückschreckt; eine Literaten-Natur, die Gefühltes sofort in Geschriebenes übersetzt. Und todtraurig ist sie. Ach, das war sie immer! heißt seit Jahrzehnten der abwinkende Befund. Der trifft zu, wo er nicht als Schlußwort geplaudert wird. Denn jeder Befund hat Ursachen. Die zu ergründen macht Mühe. Und wer macht sich Mühe mit Luise?

Während ihr Gatte, der Wörlitz-Gestalter Franz von Anhalt-Dessau (1740 - 1817) bis zur Unkenntlichkeit in einer lobhudelnden Gloriole verschwindet, gibt Luise den Part der Stiefmutter des Gartenreiches. Dabei verdankt sich das, was man das „Reformprojekt der Dessauer Aufklärung” nennt, stets einem Ensemble von Köpfen und nicht nur den Geistes- und Tatblitzen eines Einzelnen. Und Luisens Part? Sie zog an, was Franz verärgerte: „Genies” und maulfaule Männer, die ein Sonett einer Sauhatz vorzogen. Die „literarische Lage” des Fürstentums wäre ohne Luise wohl eine Schräglage gewesen. Ihre Seelenlage war das stets - und aus Gründen.

Es war Friedrich der Große, der 1765 beschloß, Luise habe den Fürsten von Dessau zu heiraten. Luise war 14 Jahre alt. Ihre Mutter, Leopoldine Marie, eine Tochter des Alten Dessauers, hatte und sollte sie nie zu Gesicht bekommen - Frau Mama saß bis zu ihrem Tod 1782 ohne Urteil in der Festung Kolberg.

Im März 1765 tritt Luise das erste Mal Franz entgegen, der ist zehn Jahre älter. Luise sieht Franz und erkrankt: Es ist „Fieber” auf den ersten Blick. Um Liebe geht's nicht, sondern um Politik. Preußen bindet Anhalt: Im Schloß Charlottenburg reicht Friedrich der Große die Verlobungsringe.
Der Käfig schließt sich, Luise flattern die Seelenflügel. Eine Tortur-Tour an Krankheiten beginnt, die Luise zeitlebens bedrohen sollen. So geht es los: In Berlin läßt man die Braut „die Zähne putzen und mit heißen Sägen auseinanderbeugen”. Eine längere schmerzfreie Phase beglückt zum letzten Mal: Es sind die Jahre der großen Italien- und Englandreise des Fürsten von Oktober 1765 bis März 1767 - ohne Luise. Mit Franz kehren deren Krankheiten zurück. Sie bleiben, und im Juli 1767 wird in Berlin geheiratet. Dann geht es ab nach Dessau. Luise gibt sich Mühe: Die „Fremdlingin” (Hölderlin) beherrscht die Hof-Spielregeln. Ihr Gatte auch. Der widmet sich zudem seinen Hobbys - der Parforcejagd, der Landwirtschaft, dem Gartenbau. Und der Liebe? Die gab es nicht, auch wenn das Paar oft versucht hatte, sie herbeizudebattieren. Man sollte nicht die Franz-und-Luise-Klischees aufgreifen - er ist der sinnliche, zupackende Weltmensch, sie die ätherische, launenhafte Weltflüchtlerin -, um den Notstand zu begründen.
Luise war - das zeigen die Akten -, wenn es ihr gut ging durchaus eine athletische und tatkräftige Natur. Aber schon in den ersten 14 Tagen ihrer Ehe, überlieferte der Wörlitzer Probst Friedrich Reil, war das Paar „über einen Punkt uneins”, „wo sie hätten am einigsten sein sollen”.

Luise bringt 1769 - nach einer Fehlgeburt und der Geburt einer lebensschwachen Tochter- ihren Sohn Friedrich (nach Friedrich dem Großen), den anhaltinischen Erbprinzen, zur Welt. Der Alltag lächelt, doch ohne Dauer. Schon 1773 notiert Luise, daß sie „unsäglich an Leib und Seele” leide. Ohnmachten, Krankheiten, Kuren in Serie. Drumherum das Hofleben, das sie auffrißt. Und ein Gatte, dem sie nur in wohlgeordneter Freundschaft verbunden ist. Es geht nicht um „Familie”, sondern um das „Haus” Anhalt. Zwei Menschen treffen aufeinander wie zwei Schatten.

Am 5. Januar 1789 eröffnet ihr der Gatte, daß des Hofgärtners Schoch Töchterchen Luise die „Geburt eines Mägdleins” im Wörlitzer „Gotischen Haus” erwarte. Das Kind kommt. Es bleibt nicht das einzige und nicht von der einzigen Franz-Geliebten. Die Popen mögen die Stirn runzeln: Franz ist der Herr im Ländchen. Luise Schoch heißt bald von Beringer. Luise von Anhalt bleiben Geschwüre und Ekzeme. Und die gute Miene zum bösen Spiel, das sie im Grundsatz akzeptiert. Wie auch anders? Sie hatte weniger Geld, weniger Macht und keine Wahl.
Jede Reise ins Ausland, jeden Ortswechsel innerhalb Anhalts muß Luise bei ihrem Gatten beantragen. Im November 1790 bezieht sie das „Graue Haus” in Wörlitz: ein Mini-Hof auf drei Etagen. Nur 700 Meter Luftlinie entfernt, residiert der Fürst mit der Gärtnerstochter im „Gotischen Haus”. Man sieht sich, grüßt sich, speist miteinander, wenn es der Terminkalender vorsieht. Luise hat längst ihren eigenen Kreis geformt - zu ihren Herzensfreunden zählen die Literatin Elisabeth von der Recke, die Malerin Angelika Kauffmann, der Komponist Johann Friedrich Reichardt. Der Dichter Friedrich von Matthisson begleitet die Fürstin seit 1795 - ergeben wie Luises Hündchen Triton.
„Sind wir Weiber nur ein Stück Fleisch, haben wir nicht auch eine Seele?” klagt 1794 Elisabeth von der Recke. Nicht ohne Grund: Elisabeth erlebt Franz voller Schwermut und Phlegma, heillos im Mätressen-Spiel verfangen. Franz-Kinder schlagen zu Buche - in Zerbst, in Dessau. Solcherart Nachrichten treffen Luise längst nicht mehr ins Herz.

Die Fürstin stirbt 1811 - mit 61 Jahren ist sie eine bewegungsuntüchtige, fast taube Frau im „Tragesessel”. Der Tod ereilt sie im Stadtpalais Hilda. Franz hatte es zuvor abgelehnt, ihr einen Erdgeschoßraum im Wörlitzer Schloß zu bestellen.



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